Neuer Zielmarkt? Zweigstelle in Kamerun

15. Mai 2020

Yaoundé, April 2020. Wilhelm Kapale aktualisiert seine E-Mails. Wie so oft in den letzten Tagen. Das Ladesymbol auf seinem Display rotiert. Gefühlt eine halbe Ewigkeit. Er checkt den Empfang seines Mobiltelefons: vier Balken. Das Postfach lädt noch immer. Kurz darauf hat das Warten ein Ende: Keine neuen E-Mails im Posteingang. Ernüchterung.

Warten, das ist Wilhelms inoffizielles Motto dieser Tage. Der Jahresurlaub in Kamerun neigt sich dem Ende. Die Koffer sind bereits gepackt. Ausgehende Flüge wurden gecancelt, Kameruns Grenzen geschlossen. Bis auf Weiteres.

Normalität im Corona-Alltag. Aber was ist momentan schon normal? Wie lang soll das noch gehen? Wann kann Wilhelm zurück in die Hansestadt Hamburg? Sicher kann das niemand sagen. Sicher ist nur die Unsicherheit.

Ein Stückchen Heimat in der Ferne

Hilfe ist nicht in Sicht. Weder von der Fluggesellschaft, noch vom deutschen Konsulat oder der deutschen Botschaft. Vom Konsulat gab es eine automatisch generierte Antwort:

„Sehr geehrte Damen und Herren, aufgrund der aktuellen Lage in Kamerun ist die Visastelle des Konsulats bis auf weiteres vollständig geschlossen. Lediglich Fälle der konsularischen Nothilfe werden bearbeitet…“

Konsularische Nothilfe? Kaum etwas schafft in der aktuellen Situation mehr Distanz als nüchternes Beamtendeutsch. Und trotzdem fühlt es sich wie ein Stück Hamburger Heimat an. In 5.527 Kilometern Entfernung.

Wilhelm muss warten. Bis Kamerun die Grenzen wieder öffnet. Das kann dauern. Der Urlaub ist bereits vorbei. Sein Aufenthalt verlängert sich zwangsläufig. Wilhelm telefoniert mit der Familie in Deutschland. Mit seinem Chef, Axel Stelzer, dem Leiter des Technischen Management in Hamburg. Die erste Woche überbrückt Wilhelm mit einer Verlängerung seines Urlaubs. Aber das ist nur ein Spiel auf Zeit.

Mehrmals täglich durchforstet Wilhelm die Nachrichten, aktualisiert seine E-Mails. Aber noch immer keine Infos vom deutschen Konsulat. Wie kann es weitergehen? Nach Hause kommt er nicht. Aber muss er das überhaupt?

wpd windmanager Büro in Yaoundé

Selbst die Kollegen in Hamburg sind momentan nicht im Büro. Auch an den anderen Standorten, zum Beispiel in Bremen, Oulu oder Dubrovnik, arbeitet wpd windmanger im Home-Office. Kann Wilhelm sich nicht auch ein Home-Office in Yaoundé einrichten? Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Wilhelm bespricht die Idee mit Axel Stelzer. So außergewöhnlich findet sein Chef die Idee nicht. Voraussetzung: ein PC und eine stabile Internetverbindung.

Schluss mit Warten

Wilhelm spricht mit Bekannten vor Ort und besorgt sich Computer und Monitor. Er richtet sich in Yaoundé bei seiner Schwester im Neubau einen Arbeitsplatz ein. Strom gibt es in seinem neuen Büro noch nicht. Die Kabel zieht Wilhelm kurzerhand ein. Eine stabile Internetverbindung muss her. Vor Ort leider keine Selbstverständlichkeit.

Wilhelm tauscht sich mit den Kollegen der wpd IT in Bremen aus. Bei denen sorgt die Home-Office-Idee zunächst für Stirnrunzeln und erfordert dann einige Nachjustierungen im Bereich der IT-Sicherheit und der Spamfilter. Zugriffsanfragen aus Kamerun gelten unter IT-Sicherheitsexperten nicht unbedingt als vertrauenswürdig. Über den Remote-Support bekommt Wilhelm Zugriff.

Back in Business


Es ist der 27. April. Wilhelm ist inoffizieller Standortleiter der wpd windmanager Zweigstelle in Yaoundé. Wer hätte das gedacht? Die Leitung steht. E-Mails, Rotorsoft und Co laufen stabil. Meistens. Aktuell ist Regenzeit. Das führt bei starkem Unwetter auch mal zu Stromausfällen. Die technischen Reportings seiner norddeutschen Windparks erstellt Wilhelm nun in Kamerun. Via Microsoft Teams tauscht sich er mit seinen Kollegen aus. Per Video. Face to Face.

Quasi wie im Büro in Hamburg.