Forschung und Entwicklung: Interview mit Prof. Dr. Carsten Fichter

1. April 2020

Prof. Dr. Carsten Fichter von EnergieSynergie

Prof. Dr. Carsten Fichter von EnergieSynergie arbeitet bereits seit vielen Jahren mit wpd windmanager im Bereich Forschung und Entwicklung zusammen. Im Interview erklärt er, warum das Thema Forschung und Entwicklung eigentlich so wichtig ist und an welchen Projekten bei wpd windmanager aktuell geforscht wird.

Prof. Dr. Carsten Fichter, seit einigen Jahren betreuen Sie den Bereich Forschung und Entwicklung bei wpd windmanager. Welche Rolle spielt dieser Bereich für Unternehmen? Und warum gewinnt er zunehmend an Bedeutung?

CF: In der Regel ist jedes Unternehmen zunächst auf das Tagesgeschäft fokussiert. Hier wird das tägliche Geld verdient. Man hat gewisse Produkte oder Dienstleistungen, die den Umsatz am Laufen halten. Dann gibt es wiederum andere Produkte und Dienstleistungen, bei denen die Nachfrage aufgrund von technischen Weiterentwicklungen sinkt. Andere Neuentwicklungen kommen hinzu. Bei wpd windmanager ist das Kerngeschäft die Betriebsführung. Aber natürlich muss man darüber hinaus schauen, wie sich der Markt weiter entwickelt. Jetzt kommt mit der Bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung beispielsweise ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung, hinzu.

„Durch Forschung und Entwicklung vom Wettbewerb abheben.“

Aber als Unternehmen muss man den Blick natürlich noch weiter nach vorne richten. Was kommt in den nächsten Jahren? Wie kann ich mich weiter vom Wettbewerb abheben und meine Marktposition ausbauen? Was muss ich als Arbeitgeber tun, um attraktiver für neue Mitarbeiter zu sein? Wie entwickeln sich die Betriebsführung und auch der Markt weiter?Welche weiteren Zusatzleistungen kann ich anbieten? Mit solchen Fragestellungen setzen wir uns bei wpd windmanager auseinander.

An welchen Projekten wird denn bei wpd windmanager beispielsweise geforscht?

CF: Da gibt es ein ganz breites Spektrum. Beim Projekt GoodWind, erforschen wir beispielsweise zusammen mit der Deutschen Windtechnik und der Nordwest Assekuranz wie wir Synergien zwischen Betriebsführung, Service und Versicherung optimal nutzen und gemeinsam die laufenden Kosten senken können. Ein anderes großes Forschungsprojekt heißt PiB – Prädikative intelligente Betriebsführung. Hier geht es um die Verringerung des Vereisungsrisikos. Wir setzen uns mit der Vermarktung von Altanlagen oder der Feuchtigkeitsüberwachung von Trafos in den Anlagen auseinander. Außerdem analysieren wir Wartungskonzepte, evaluieren Fledermausabschaltungen oder arbeiten an einem Modell zur Ermittlung von Ausschreibungsangeboten. Wir beschäftigen uns aber auch mit Themen wie Virtual Reality oder Künstlicher Intelligenz und wie solche Technologien die Begehungen des Außendienstes erleichtern könnten.

Beim Forschungsprojekt PiB wurde ein Kamerasystem auf einem Maschinenhaus implementiert, um das hier installierte Eiserkennungssystem BladeControl verifizieren zu können.

Beim Forschungsprojekt PiB wurde ein Kamerasystem auf einem Maschinenhaus implementiert, um das hier installierte Eiserkennungssystem BladeControl verifizieren zu können.

Wie entsteht denn ein konkretes Forschungsvorhaben?

CF: Da gibt es unterschiedliche Ansätze. Häufig entstehen die Projekte aus dem Tagesgeschäft der Betriebsführung. Es beginnt mit einer Problemstellung, für die es so bisher am Markt noch keine Lösung gibt. Da sind wir natürlich enorm auf die Hinweise der Kollegen angewiesen, die das dann an ihre Abteilungsleiter geben. Diese Anregungen werden gesammelt und wir treffen uns regelmäßig mit den Geschäftsführern und stimmen das weitere Vorgehen ab. Wollen wir ein Thema ausarbeiten, schaue ich dann, ob und welcher Student für das Thema das passende Profil mitbringt.

„wpd windmanager als Forschungspartner sehr gefragt.“

Mittlerweile gibt es aber auch viele Projekte, bei denen uns andere Unternehmen oder Institutionen – wie zum Beispiel das Fraunhofer Institut, das BIBA oder der TÜV Rheinland – als Projektpartner hinzuziehen wollen. Früher liefen solche Forschungsprojekte häufig über die Anlagenhersteller. Aufgrund unserer großen und vor allem heterogenen Flotte ist wpd windmanager für solche Forschungsprojekte als Anwender aber häufig spannender, weil sich die Betriebserkenntnisse nicht nur auf einen einzigen Anlagenhersteller beschränken.

Und wie läuft dann der Prozess ab – vom Bedarf bis zum Forschungsprojekt und im besten Fall sogar zur konkreten Dienstleistung?

CF: Auch das ist ganz unterschiedlich. Wie bereits erwähnt, entsteht es ja mit einem Bedarf oder einer Idee. Das wird gesammelt und im nächsten Schritt entsprechend ausgearbeitet. Ganz pauschal kann man einen solchen Prozess nicht skizzieren. Das steht und fällt immer mit dem jeweiligen Projekt. Und nach dem Projekt geht es dann an die Umsetzung. Wir leisten mit den Studenten und den Forschungsvorhaben quasi die Vorarbeit. Wie zeitnah, welches Projekt umgesetzt werden kann, ist dann der nächste Schritt. Das variiert natürlich auch je nach Projekt und Dringlichkeit.

Aber: Das Resultat muss auch nicht immer eine konkrete Dienstleistung sein. Manchmal ist das Ergebnis einer solchen Arbeit, dass ein Thema nicht weiter verfolgt wird. Es gab zum Beispiel mal die Überlegung, den Messstellenbetrieb am Einspeisepunkt von WEAs, an dem die Anlagen den Strom ins Netz einspeisen, als Dienstleistung anzubieten. Diesem Ansatz sind wir in einer Abschlussarbeit nachgegangen. Letztlich stellte sich aber heraus, dass eine solche Dienstleistung zu dem Zeitpunkt zu viel Arbeitseinsatz erforderte und daher nicht wirtschaftlich war. So eine Erkenntnis ist aber ähnlich viel wert wie eine neue Dienstleistung, weil sie unnötige Kosten einspart und hilft, den Fokus auf andere Entwicklungen zu legen.

Abschließend vielleicht noch eine grundsätzliche Einschätzung. Wie siehst du andere Unternehmen aus der Windenergie in diesem Bereich aufgestellt?

CF: Das Thema wird bisher sehr vernachlässigt. Nicht nur im Bereich der Windenergie. Aus meiner Sicht liegt hier viel Potenzial brach. Auf der einen Seite wird über Fachkräftemangel, Recruiting und Innovationen diskutiert. Auf der anderen Seite sind Unternehmen aber auch nicht bereit, Zeit und Geld zu investieren, um solche Themen nachhaltig voranzutreiben. Mitunter mangelt es an den Ressourcen. Häufig fehlt aber einfach die Geduld, weil ein solcher Ansatz natürlich längerfristig angelegt ist.

„Bereits 14 Studierende als Festangestellte übernommen.“

Wenn man sich aber die Entwicklung bei wpd windmanager anschaut, sieht man, dass es sich auszahlt – sowohl was die frühe Bindung von Nachwuchskräften an das Unternehmen angeht als auch die Steigerung der Innovationskraft und die Weiterentwicklung der Dienstleistungen. Mittlerweile haben wir seit 2016 schon 28 Abschlussarbeiten bei wpd windmanager betreut und konnten bereits 14 Studierende als Festangestellte in der wpd-Welt binden. Außerdem haben wir mit dem Projekt „Refreshment Windenergie“ ein Weiterentwicklungsinstrument für die MitarbeiterInnen ins Leben gerufen, das sich am konkreten Wissensbedarf orientiert und den Wissensstand im Unternehmen anhebt. Im Bereich Forschung und Entwicklung ist in der Windenergie nicht jedes Unternehmen so aktiv. wpd windmanager ist da ganz vorne mit dabei.